Gerade noch auf den Mount Evans geschafft | Mt Evans Scenic Drive

Jetzt kann auch ich nachvollziehen, warum die Straße zum Gipfel des Mount Evans schon beim ersten möglichen Schneefall gesperrt wird. Durch fehlende Leitplanken wirkt die schmale, kurvige und teilweise auch ziemlich beschädigte Straße schon bei guten Wetterbedingungen recht ‘gruselig’. Immerhin geht es talseitig steil bergab. Wahnsinn! Vor allem aber: wahnsinnig schön! 

Wenn Du meinen letzten Beitrag zu Denver/ Colorado gelesen hast, erinnerst Du Dich vielleicht noch daran, dass wir es im Mai nicht auf den Mount Evans schafften. Damals war die Straße zum Gipfel aufgrund starker Schneefälle leider noch gesperrt. Letztes Wochenende war ich nochmal für ein paar Tage in Denver und hatte damit die Chance, den Berg in diesem Jahr doch noch zu erklimmen. “Klar klappt’s diesmal mit dem Mount Evans”, dachte ich noch nachdem ich gesehen hatte, dass 34° C für Denver vorhergesagt waren und es ja schließlich noch Sommer war. Dabei hatte ich jedoch Glück. Dort angekommen musste ich nämlich feststellen, dass die Straße – zumindest die letzten 8 km – wenige Tage später schon wieder geschlossen sein würde. Darüber informierte z.B. auch die Denver Post. Eigentlich hätte ich mir das auch denken können, da der Sommer auf über 4.300 Höhenmetern dann doch etwas kürzer ausfällt.

Der Weg ist das Ziel. Nein, wirklich!

Warum ich überhaupt unbedingt auf den Gipfel wollte? Nicht etwa, weil es einer der höchsten Berge in Colorado ist. Er stellt auch keine bergsteigerische Herausforderung dar (wie z.B. der Fuji, den wir nachts bestiegen). Was den Mount Evans so besonders macht, ist die 23 km lange zum Gipfel führende kurvenreiche landschaftlich sehr reizvolle Fahrstrecke (engl.: Scenic Drives oder Scenic Byway). Hier gilt also tatsächlich: der Weg ist das Ziel. Die Strecke ist aber nicht nur unfassbar schön. Gleichzeitig ist die Mt Evans Road auch noch die höchste befahrbare Straße Nordamerikas. Als die Straße im Jahre 1930 nach sieben Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde, war sie sogar die höchste der Welt. Typisch für Amerikaner, könnte man jetzt meinen, überall müssen sie mit dem Auto hinfahren. Tatsächlich sind es vom Parkplatz aus auf den Gipfel nur noch 40 Höhenmeter, die es zu Fuß zurückzulegen gilt. Es sind aber auch sehr viele Radfahrer und einige Wanderer unterwegs, die vom Summit Lake aus nach oben laufen. Entscheidet man sich für das Auto, sollte man auf der Fahrt also nicht nur auf Bergziegen und Dickhornschafe achten, sondern auch auf die Radfahrer, die sich eine Trainingseinheit auf den Gipfel gönnen.

Echo Lake

Hier beginnt die Reise: Auf dem Weg von Denver zur Mount Evans Road kommt man am Echo Lake vorbei. Wie in meinem letzten Colorado-Post beschrieben kann man generell überall problemlos anhalten, den Ausblick genießen und ein paar Bilder machen. Ab hier wechselt auch die Landschaft ständig.

Echo Lake Mount Evans Colorado

Mount Evans Road

Kurz nach dem See geht es dann nach rechts zum Eingang der Mt Evans Road. Hier nochmal zum Vergleich wie es im Mai mit sehr viel Schnee aussah. Eigentlich noch schöner, oder? Nur ist die Straße zum Gipfel zu der Zeit leider nicht befahrbar.

Bevor man überhaupt auf die Mount Evans Straße kommt, wird man zur Kasse gebeten. 15 $ kostet der Eintritt pro Auto (Stand: 2017), wobei das Ticket drei Tage lang gültig ist. Übrigens: Barzahlung geht hier ausnahmsweise tatsächlich mal schneller als mit Karte.

Eingangsschild Mount Evans

Zwischendurch gibt es immer wieder Parkmöglichkeiten mit tollen Aussichten. Auf etwa 3.500 m ist die Baumgrenze dann erreicht und die Landschaft wird felsig. Die Straßen werden kurviger und die Aussicht immer besser…

Mount Evans Straße

Summit Lake

Fährt man noch ein Stück weiter, gelangt man schließlich zum Summit Lake (“Gipfel-See”), einem wunderschönen Bergsee, der sich etwas unterhalb des Gipfels befindet. Hier kann man auch parken und die restlichen 437 Höhenmeter zu Fuß zurücklegen, bzw. muss dies möglicherweise auch bis Ende Juni und ab Anfang September, wenn der weitere Straßenabschnitt noch nicht bzw. nicht mehr für Autos freigegeben ist. Kurz vor dem Summit Lake werden die Straßenbedingungen übrigens massiv schlechter. Frostaufbrüche (aka Schlaglöcher) trüben das Fahrvergnügen hier etwas.

Mount Evans Summit Lake Mount Evans Summit Lake

Ein paar Serpentinen weiter gelangt man schließlich zum Gipfel des Mount Evans. Neben einer Ausschichtsplattform gibt es hier auch Toiletten und den wahrscheinlich höchsten Fahrradständer der Welt. Die verbleibenden 40 Höhenmeter kann man in wenigen Minuten vom Parkplatz aus hochlaufen. Dazu ist keine besondere Kondition notwendig, allerdings kann einem das Atmen aufgrund der “dünnen” Luft schwerer fallen. Als ich hier oben ankam, war es extrem windig und sehr kalt. Auch das Auto wies mich auf 2° C und die “möglicherweise vereisten Straßen” hin. Hatte ich diesmal wenigstens die richtige Kleidung dabei? Natürlich nicht! Hätte ich doch nur eine dicke Jacke ins Auto bzw. erstmal in den Koffer gepackt…. Wie dem auch sei, die Aussicht auf die Berglandschaft war jedenfalls fantastisch und ließ mich den eiskalten Wind vergessen – wenn auch nur kurz.

Mount Evans Summit Gipfel Aussicht

Auf den Felsen lagen auch wunderschöne weiße Bergziegen friedlich schlafend. Die White Mountain Goats sind übrigens auch das Wahrzeichen der Mount Evans Gegend.

Mount Evans Aussicht Bergziegen

Auch auf dem Weg nach unten bieten sich einige Gelegenheiten zum Anhalten, um die malerische Landschaft noch einmal zu bewundern. Auf dem unteren Bild ist noch einmal der Echo Lake zu sehen, bei dem die Reise begann. Bei gutem Wetter eröffnen sich auch wundervolle Ausblicke auf die 4000er der Rocky Mountains.

Echo Lake Aussicht Mount Evans

Fazit: Wer in Colorado ist und die Möglichkeit hat, sollte sich den Mount Evans bzw. den Scenic Drive auf keinen Fall entgehen lassen – gutes Wetter vorausgesetzt. Die Mt Evans Road ist eine sehr schöne Strecke und damit ein tolles Erlebnis für den Fahrer. Der (die) Beifahrer sollte(n) aber auf jeden Fall schwindelfrei sein.

Mount Evans

  • Höhe: 4.350 m bzw. 14.271 Fuß
  • Mount Evans Road: 23 km bis zum Gipfel
  • Mt Evans Road – Bauzeit: 1923-1930
  • Für die Öffentlichkeit zugänglich seit 1931
  • Eintritt/ Auto: 15 $ (bis zum Gipfel)

Die Mount Evans Road ist normalerweise vom Memorial Day bis zum Labor Day (letzter Montag im Mai bis erster Montag im September) geöffnet. Die Straße bis zum Summit Lake ist üblicherweise noch bis zum ersten Wochenende im Oktober geöffnet, je nach Wetter.

Der Ausflug lohnt sich nur bei schönen Wetter, also einen sonnigen Tag aussuchen und am besten früh morgens hochfahren. Am Nachmittag ziehen oft Wolken und Gewitter auf. Ein Tag unter der Woche könnte auch von Vorteil sein, weil es auf dem Gipfel und auch am Summit Lake nur wenige Parkplätze gibt.

Von Denver I-70 nach Westen bis Idaho Springs (Exit 240), dann Richtung Süden auf Colorado 103 bis Echo Lake. Nach dem See rechts auf Mt Evans Road (Highway 5) – hier wird auch die Maut bezahlt.

Mit dem Auto, Rad oder zu Fuß. Der Aufstieg ist vom Summit Lake Trailhead aus möglich (437 Höhenmeter bzw. ca. 4,6 km Fußweg bis zum Gipfel).

Damit bist Du für die intensive Sonneneinstrahlung, den teils heftigen, eiskalten Wind und die Höhe gewappnet:

  • Wasser (viel trinken ist wichtig, um höhenbedingte Kopfschmerzen zu vermeiden)
  • Sonnencreme
  • Sonnenbrille
  • Jacke bzw. generell warme Kleidung

Beim Durchstöbern meiner Colorado-Bilder bin ich auch auf wunderschöne Fotos vom Sonnenaufgang über Denver gestoßen. Den hatte ich im Juli 2016 vom Red Rocks Amphitheater bewundert. Weitere Infos zum Amphitheater und wie es dort im Mai dieses Jahres aussah, findest Du in meinem letzten Beitrag über Colorado.

Denver Sonnenaufgang Red Rocks

Weitere Informationen

Zeit: Die Zeitverschiebung bzw. die aktuelle Uhrzeit gibt’s hier

Visum: Electronic System for Travel Authorization (ESTA) auf dieser Seite beantragen. Damit können sich Touristen bis zu 90 Tage in den USA aufhalten. Die aktuellsten Infos dazu gibt’s hier (Fragen zu ESTA o.ä. kann ich leider nicht beantworten, weil es mich nicht betrifft. Auf der Antragsseite wird der Prozess aber ganz gut erklärt.)

Geld: US-Dollar ($) – den aktuellen Wechselkurs zu Euro gibt’s hier

Was man immer dabei haben sollte (neben richtiger Kleidung, s. Tab “Beste Reisezeit”): Sonnencreme (auch im Winter!), Sonnenbrille (und -hut/ Cap) und genug Wasser

Wichtige Feiertage

  • New Year’s Day (01. Januar)
  • Memorial Day (immer am letzten Montag im Mai: 29. Mai 2017, 28. Mai 2018)
  • Independence Day, wird auch ” The Fourth of July” genant  (04. Juli)
  • Labor Day (immer am ersten Montag im September: 04. September 2017, 03. September 2018)
  • Thanksgiving (immer am letzten Donnerstag im November: 23. November 2017, 22. November 2018)
  • Christmas Day (25. Dezember)

Trinkgeld: Bei Taxifahrten 15 Prozent des Fahrpreises, 15-20 Prozent in Restaurants und Bars (am Tresen z.B. auch 1 Dollar/ Drink). Manchmal ist das Trinkgeld auch schon in der Rechnung enthalten (oft in touristischen Restaurants/ Gebieten, weil die Bedienung mit europäischen Touristen nicht die besten Erfahrungen machte). Auf der Rechnung steht dann z.B. “gratuity” oder “tip is included”.

Bezahlung in Restaurant/ Café/ Bar mit Bedienung:

Bezahlen a lá “stimmt so!” wie es bei uns gemacht wird, klappt in den USA nicht. Nachdem der Kellner die Rechnung gebracht hat und – anders als z.B. in Deutschland – keine sofortige  Bezahlung erwartet, sondern direkt wieder geht, kann folgendermaßen gezahlt werden:

  • Barzahlung, passend (inkl. Trinkgeld!): auf dem Tisch liegen lassen und gehen.
  • Barzahlung, nicht passend, d.h. man erwartet Wechselgeld: warten bis das Geld auf dem Tisch/ in der Geldmappe vom Kellner abgeholt und das Wechselgeld gebracht wird. Ein angemessenes Trinkgeld liegen lassen und gehen.
  • Zahlung mit Kreditkarte: Karte in die Geldmappe/ zur Rechnung legen und abholen lassen. Entweder auf der Rechnung das zusätzliche Trinkgeld aufschreiben (und den Gesamtbetrag) oder Trinkgeld bar auf dem Tisch liegen lassen.

Alkoholkonsum/ Ausgehen: am besten immer irgendeine Form von Ausweis dabei haben, da der Alkoholkonsum in den USA erst ab 21 Jahren erlaubt ist und Ausweise öfter kontrolliert werden – auch wenn man offensichtlich schon etwas älter als 21 ist.

Seit 2014 dürfen Bürger (ab 21 Jahren) Marihuana in Colorado legal kaufen und konsumieren. Man riecht es öfter, wenn man durch die Straßen Denvers läuft.

Gründung: USA: 1776 / Colorado: 1876 / Denver: 1858

Einwohner: USA: 324 Mio. / Colorado: 5,5 Mio. / Denver: 700.000

Einwohner pro km² (USA): 33 (zum Vergleich, Deutschland: 230 Einwohner/ km²)

Fläche: Colorado: 270.000 km² / Denver: 400 km²

Landes- und Amtssprache: Englisch

Colorado ist ganzjährig ein attraktives Reiseziel, es kommt einfach darauf an, was man vorhat. Skifahren kann man grundsätzlich zwischen Anfang Oktober und Ende April. Wer in den Rocky Mountains aber lieber wandern möchte, sollte einen Urlaub in den Monaten Juli-September/ Oktober planen. Es ist nämlich völlig normal, dass es im Mai (und teilweise sogar Juni) nochmal richtig schneit.

Kleidung: bei dem unbeständigen Wetter am besten für alle Eventualitäten packen und im Zwiebellook kleiden, d.h. in mehreren Lagen.

Colorado…

…gilt als bestes Skigebiet Amerikas

…beeindruckt mit wunderschönen Nationalparks

…hat wunderschöne Natur zu bieten und lässt Wanderherzen höher schlagen

…hat auch einiges an Kultur zu bieten

…ist ideal für einen Road Trip

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