Hausmittel bei Erkältung – was wirklich hilft

Die Wiesn läutet in München traditionell die Erkältungszeit ein. Auch mich hat es nach Jahren mal wieder so richtig erwischt – dabei war ich nicht mal auf dem Oktoberfest. Da ich Urlaub hatte, konnte ich die Erkältung richtig auskurieren und habe die Zeit zum Recherchieren sowie zum Ausprobieren einiger Hausmittel genutzt. Wie entsteht eine Erkältung und wie werde ich sie schnell wieder los? Was schafft wirklich Linderung? Nachdem ich diesen und noch mehr Fragen nachgegangen bin, weiß ich nun: weniger ist hier definitiv mehr.

Wie entsteht eine Erkältung?

Es gibt etwa 200 verschiedene Viren, die Erkältungssymptome auslösen können, oft sind es Rhinoviren. Über Tröpfchen werden sie eingeatmet oder durch die Hände an die Schleimhäute getragen und so treffen die Viren auf die Immunzellen. Die klassische Erkältung beginnt meist mit Halsschmerzen, gefolgt von Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen und Husten. Eine Erkältung (abzugrenzen von der Grippe) ist normalerweise nicht gefährlich, kann aber – je nach Wehleidigkeit – ziemlich quälen.

Nur bei wenigen Selbstmedikationspräparaten lässt sich ein objektiver Nutzen nachweisen. Lediglich symptomatische Linderung schaffen die bekannten Mittel gegen Schmerzen (z.B. bei Kopf- und Gliederschmerzen). Doch einige natürliche Hausmittel können die Symptome etwas abschwächen und dafür sorgen, dass man sich nicht ganz so miserabel fühlt.

Wenn man also nicht gerade Symptome unterdrücken will, z.B. weil man einen wichtigen Termin nicht absagen kann, unterstützt man seinen Körper am besten mit den genannten Mitteln während er sich um die Viren kümmert. Unser Immunsystem schafft das nämlich auch ganz ohne Hilfe, getreu dem Motto: “unbehandelt dauert eine Erkältung 7 Tage, mit Medikamenten 1 Woche”.

Immunsystem unterstützen

Das Immunsystem arbeitet bei einer Erkältung bereits auf Hochtouren. Wie es funktioniert und wodurch wir es stärken können, erfährst du in diesem Beitrag (hier verlinkt, sobald online). Doch wie können wir unser Abwehrsystem bei einer akuten Infektion bestmöglich unterstützen?

Am besten, indem wir nichts tun. Viel schlafen oder zumindest ruhen hilft unseren Immunsystem bei der Bekämpfung von Viren, weil es sich dann ganz darauf konzentrieren kann, die körpereigenen Abwehrkräfte zu mobilisieren.

Ausreichend Flüssigkeit: Tees oder andere alkoholfreie Getränke können helfen die Schleimhäute feucht zu halten und lindern Halsschmerzen. Wir sollten es aber nicht übertreiben, denn zu viel Flüssigkeit belastet die Nieren, die dann noch mehr Arbeit mit der Ausscheidung haben. Wenn wir bereits Suppen, Obst und Gemüse zu uns nehmen, reichen 1,5 Liter über den Tag verteilt völlig aus. Mehr ist erst erforderlich, wenn wir schwitzen, nicht so viel essen oder gar Fieber haben.

Apropos Essen…

Leicht verdauliche/ gut bekömmliche nährstoffreiche Mahlzeiten: Der Körper soll nicht mit der Verdauung schwer verdaulicher Mahlzeiten beschäftigt sein, da er die Energie für die Abwehr benötigt. Essenzielle Nährstoffe brauchen wir dennoch oder gerade jetzt. Führen wir sie dem Körper bereits stark zerkleinert zu , z.B. püriert in Form von Smoothies oder Suppen, hat er weniger Arbeit mit der Verdauung.

Gut beraten ist man also mit:

  • Gemüsesuppen (z.B. Kürbis- oder Zucchinisuppe)
  • Smoothies aus frischem Obst und (Blatt-) Gemüse
  • generell viel frisches Obst und Gemüse (roh oder gedünstet)

Wichtig ist, gerade während der Heizperiode, auch das regelmäßige Lüften und die Luftbefeuchtung.

Einfache Hausmittel, die bei einer Erkältung Linderung schaffen könnten

  • Nasendusche: nicht nur präventiv, sondern auch zur therapeutischen Behandlung effektiv, wenn der Infekt bereits da ist.
  • Heißes Bad: besonders bei Gliederschmerzen kann ein heißes Erkältungsbad sinnvoll sein (bei Fieber nicht empfehlenswert).
  • Honig: v.a. bei Kindern mit Husten wirksame Linderung, für Erwachsene gibt es nicht ausreichend Daten. Doch auch einem gereizten Hals kann ein kleiner Teelöffel Honig zumindest kurz gut tun.

Teilweise wirksam (bzw. noch nicht ausreichend belegt, aber deutliche Hinweise)

Zink: hochdosiert in den ersten 24 Stunden nach Symptombeginn eingenommen, könnte es die Erkältung abschwächen bzw. verkürzen. Zinktabletten könnten also tatsächlich sinnvoll sein, wenn die Erkältung bereits im Anmarsch ist. Warum? Vereinfacht gesagt benötigen die Fresszellen unseres Immunsystems, die an der Virenabwehr beteiligt sind, Zink, damit sie vermehrt gebildet werden können.

Wichtig: dauerhaft Zinktabletten einzunehmen macht keinen Sinn. Im Gegenteil, das kann Herz und Magen sogar schaden. Über die Nahrung eingenommen gibt es aber quasi keine Obergrenze. Welche pflanzliche Nahrungsmittel viel Zink enthalten, erfährst du in diesem Beitrag zum Immunsystem (hier verlinkt, sobald online).

Vitamin D: Im Winter leiden hierzulande viele unter einem Vitamin-D-Mangel, da die Sonneneinstrahlung, die für die Vitamin-D-Bildung über unsere Haut gebildet wird, nicht ausreicht. Auch ein Mangel führt zu vermehrten Infekten. Deshalb stärkt die regelmäßige Vitamin-D-Einnahme in den Wintermonaten unsere Abwehrkräfte.

Wahrscheinlich unwirksam (unzureichend wissenschaftlich belegt – dennoch gilt: möglicherweise subjektiv wirksam und daher hilfreich)

Vitamin C hochdosiert (z.B. als Supplement): wird oft geraten, doch für die Wirksamkeit gibt es keine Belege. Nur bei Personen, die unter extremer körperlicher Belastung stehen (z.B. Marathonläufer) könnte eine Vitamin-C-Prophylaxe, also vorbeugende eingenommen, das Erkältungsrisiko verringern. Generell sollte regelmäßig auf eine ausreichende Zufuhr aller essenziellen Vitamine – möglichst durch die Nahrung – geachtet werden.

Dampfbäder: hierzu gibt es widersprüchliche Ergebnisse. Das Inhalieren erwies sich in einigen Studien als nutzlos, in anderen wurde eine Besserung der Erkältungsbeschwerden festgestellt. Hier gilt also wohl: wem das Inhalieren subjektiv hilft, sollte es weiterhin tun, da die Risiken gering scheinen.

Fazit

Das beste Rezept ist immer noch, gar nicht erst krank zu werden – dabei hilft ein gut funktionierendes Immunsystem. Wenn man sich dann doch mal einen Infekt einhandelt, gilt: möglichst wenig machen, dafür viel ruhen und die Erkältungsviren vom körpereigenen Immunsystem bekämpfen lassen.

Wichtig: den Körper erst wieder vollständig belasten (z.B. beim Sport), wenn die Erkältung vollständig auskuriert ist (+ möglichst noch ein paar Tage). Andernfalls verschleppt man den Infekt möglicherweise und riskiert u.a seine Herzgesundheit.

Quellen/ Weiterlesen:

Allan GM, Arroll B: Prevention and treatment of the common cold: making sense of the evidence. (PubMed)

Ulukol B, Köksal Y, Cin S: Assessment of the efficacy and safety of paracetamol, ibuprofen and nimesulide in children with upper respiratory tract infections. (SpringerLink)

King D, Mitchell B,Williams CP, Spurling GK: Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections. (Cochrane)

Science M, Johnstone J, Roth DE, et al.: Zinc for the treatment of the common cold: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. (Cmaj)

Dougals RM, Hemilä H, Chalker E: Vitamin C for preventing and treating the common cold. (PubMed)

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